Hockey is Diversity e.V.

Dennis “the Menace” Kohl

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Dennis Kohl im Trikot der Ratinger Ice Aliens
? Dirk Unverferth

Dennis ?the Menace? Kohl, geboren am 12.Mai 1977 wurde als Sohn deutscher Eltern in Duisburg geboren. Kohls Gro?vater m?tterlicherseits hat afroamerikanische Wurzeln. Seit seinem dritten Lebensjahr geht der sympathische Ruhrpottler und bekennender Schalke 04 Fan dem Eissport nach. Schon von klein auf galt Kohl als gro?es Talent. Doch haben die DEL-Scouts im Zuge des Bossman-Urteils sein Talent schlichtweg ?bersehen. Ein DEL-Einsatz blieb Kohl verwehrt, jedoch trainierte er bei den Krefelder Pinguinen mit Spielern wie Karel Lang, Chris Lindberg, Johnny Walker und Peter Ihnacak.

1. Wie hast Du mit dem Eishockeyspielen angefangen??

Ich selbst kann mich gar nicht mehr genau daran erinnern. Meine Eltern haben mir erz?hlt, dass mir fr?her die bemalten Masken der Torh?ter so gut gefallen haben und ich deswegen im Alter von dreieinhalb Jahren erstmals ins Tor ging. Wenn man sich meinen heutigen ?Masken-Tick? anschaut, k?nnte da durchaus ein Funken Wahrheit drinstecken.

2. Wer war Dein Kindheitsidol und welche Rolle hat es f?r Dich gespielt in Deiner Weiterentwicklung??

Grant Fuhr war mit das pr?gendste Vorbild. Er war auf der Torh?terposition in gewisser Weise ein Pionier, denn dunkelh?utige Goalies waren zu der damaligen Zeit im Profi-Eishockey die Ausnahme. Aufgrund meines afro-amerikanischen Hintergrunds ist dieser Aspekt nat?rlich besonders wichtig f?r mich. Au?erdem gefiel mir stets seine dynamische, spektakul?re Spielweise, und Fuhr ist zudem ? wie ich ? Rechtsf?nger. Seinetwegen trage ich auch die Nummer 31. Leider wurde er immer ein wenig untersch?tzt, da zu seiner Bl?tezeit bei den Edmonton Oilers unter anderem Spieler wie Wayne Gretzky, Jarri Kurri, Paul Coffey oder Mark Messier eher im Fokus standen.

3. Was war bislang Dein sch?nster bzw. schlechtester Moment im Eishockey??

Sch?ne Momente gab es viele. Mit der NRW-Auswahl etwa holten wir zur Jahreswende 1990-91 bei einem internationalen Turnier in Helsinki ?berraschend die Goldmedaille. Das war damals eine ganz tolle Sache. Weitere Highlights sind der Finalsieg 1996 mit den Schalker Haien nach Penaltyschie?en in Braunlage sowie das Herzschlagfinale 2006 mit Neuss in Herne vor knapp 4.000 Zuschauern. Meine individuellen Auszeichnungen machen mich nat?rlich ebenfalls stolz (Anm. d. Red.: Dennis Kohl war von 2006-2009 viermal in Folge bester Torh?ter der Regionalliga NRW und 2006 Spieler des Jahres / MVP der Regionalliga NRW). Allerdings hatte ich auch das Gl?ck, dabei in au?ergew?hnlichen Teams spielen zu d?rfen.

Meine wirklich schlechten Momente halten sich in Grenzen. Damals fand ich es sehr schade, dass ich zwar irgendwie im erweiterten Dunstkreis der deutschen Jugend-Nationalteams war, es zu einem Einsatz aber nie gereicht hat. Schlimmer waren daf?r zwei schwere Schulter- und eine ?ble Knieverletzung vor einigen Jahren. Verletzungen geh?ren beim Eishockey aber nun mal dazu.

4. Neben dem Eishockey hast Du auch flei?ig an Deiner akademischen Ausbildung gearbeitet. Erz?hle uns doch, was Du studiert hast und wie Du es mit dem Sport kombinieren konntest??

Nach dem Abitur habe ich an der Ruhr-Universit?t in Bochum ein Studium in Sozialpsychologie, Anglistik und Geschichte begonnen, mich sp?ter jedoch dazu entschieden, einen anderen Bildungsweg mit dem Schwerpunkt Journalismus einzuschlagen. Das war schon von je her mein Berufswunsch. Diesen konnte ich letztlich auch verwirklichen und bislang immer ganz gut mit dem Sport kombinieren.

5. Torh?tern wird nachgesagt, sehr eigen zu sein. Ist an diesem Mythos etwas dran??

(Lacht). Wenn ich meinen Kumpels mit ernster Miene sage, dass ich ein v?llig normaler Torh?ter bin, brechen sie in schallendes Gel?chter aus. Also ist da bestimmt etwas Wahres dran. Zum Beispiel lege ich viel Wert auf meine Ausr?stung, da muss alles stimmen, denn schlie?lich ist sie mein Arbeitswerkzeug. Meinen ?Masken-Tick? hatte ich ja schon erw?hnt. Und nat?rlich ist mir die Trikotnummer 31 sehr wichtig, denn mit ihr verbinde ich viel. Im Vergleich zu fr?her bin ich in einigen Dingen aber schon wesentlich gelassener geworden. Dennoch, insgesamt m?ssen wir Torh?ter einfach, nun ja, ?anders? sein.

6. Deine R?ckennummer 31 tr?gst Du schon seit Jahren. Hat die Nummer 31 eine Bedeutung??

Wie bereits erw?hnt hat sie viel mit meinem Idol Grant Fuhr zu tun. Und im Laufe der Jahre ist die 31 f?r mich schon so eine Art Symbol und Gl?ckszahl geworden. Zum Beispiel ist sie auch auf zwei meiner Tattoos zu sehen. Auch im normalen Alltag taucht diese Zahl bei mir immer mal wieder auf. Mein Umfeld hat sich daran mittlerweile gew?hnt (lacht).

7. Deutschland ist ein Einwanderungsland. In der Welt des Sports spielt die Herkunft keine Rolle (siehe Fu?ball-Nationalmannschaft). Warum spielt die Herkunft au?erhalb der Sportwelt so eine gro?e Rolle? Was sollte sich in der Gesellschaft ?ndern, um Integration in Deutschland voranzubringen?

Ich denke auch, dass die Akzeptanz f?r Profisportler mit Migrationshintergrund insgesamt h?her ist, als f?r Menschen aus dem Alltag. Woran das liegt, ist nur schwer zu verstehen. Diese Frage sollte man vielleicht den Leuten stellen, die etwa einen schwarzen Spieler in der Nationalmannschaft oder im eigenen Verein bejubeln, sich im Alltag dann aber abf?llig ?ber Dunkelh?utige ?u?ern.

Die Integrations-Debatte ist allgegenw?rtig. Zun?chst einmal gilt es zu kl?ren, WAS man unter Integration eigentlich genau versteht. In meinen Augen wird der Begriff von vielen Leuten im falschen Kontext ?berstrapaziert, so dass Diskussionen h?ufig in die falsche Richtung gehen. Denn f?r JEDEN B?rger gibt es Regeln, an die er sich halten muss, unabh?ngig von Religion, Hautfarbe, oder Pass. Insgesamt sollten die Menschen vielleicht einfach noch toleranter miteinander umgehen. Die Vielf?ltigkeit ist doch das, was unsere heutige Gesellschaft pr?gt und interessant macht. Vor allem der Ruhrpott, meine Heimat, ist ein gutes Beispiel daf?r.

8. Wenn Du die M?glichkeit h?ttest, den nachfolgenden Generationen junger Eishockeyspieler einen Ratschlag mit auf ihrem Weg zu geben, was w?rdest Du sagen??

Hart arbeiten, auf und neben dem Eis. Und auf jeden Fall die Schule vern?nftig beenden, um f?r alle Eventualit?ten gewappnet zu sein. Au?erdem darf man niemals den Spa? verlieren und aufgeben. Auch dann nicht, wenn die Dinge mal nicht nach Wunsch laufen. Nur diejenigen, die sich dieser Herausforderung stellen, werden im Sport und im Leben weiterkommen.

Danke f?r das Interview und weiterhin viel Erfolg.